Halluzination in ChatGPT und Co: Wenn Künstliche Intelligenz (KI) beginnt zu halluzinieren

IT-P GmbH
08.07.2024
5 Minuten

Ein Chatbot erklärt uns, Deutschland habe die Fußball-EM 2021 gewonnen. Das klingt zwar glaubwürdig, ist aber nicht wahr. Solche KI-Halluzinationen entstehen, wenn Maschinen lieber „wissen“ als zugeben, dass sie raten. Doch was genau ist der Grund dafür und welche Implikationen ergeben sich für unseren Umgang mit Chatbots und generativen KI-Modellen wie ChatGPT oder Gemini? Werfen wir gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen.

Was sind KI-Halluzinationen und was bedeutet Halluzinieren?

Der Kernpunkt von KI-Halluzinationen ist, dass generative Modelle Wahrscheinlichkeiten für Wortfolgen schätzen, anstatt „Wissen” im menschlichen Sinne zu besitzen. Sie versuchen, plausibel klingende Antworten zu produzieren – selbst dann, wenn die zugrunde liegenden Informationen unsicher oder gar nicht vorhanden sind. Halluzinationen entstehen, wenn ein Modell Inhalte generiert, die nicht auf den Trainingsdaten basieren und somit keine reale Grundlage haben. Diese Inhalte wirken sprachlich korrekt und plausibel, sind jedoch inhaltlich falsch, da sie von der KI erfunden wurden. Dies geschieht durch die Art und Weise, wie Modelle Muster und Beziehungen in den Daten erkennen und nutzen. Bei unzureichenden Informationen erzeugen sie kreative, aber ungenaue Ausgaben.

​Die Auswirkungen von KI-Halluzinationen sind vielfältig. Für Nutzer können sie verwirrend oder irreführend sein, was zu Missverständnissen oder Fehlinformationen führt – besonders problematisch, wenn die KI zu Informationszwecken eingesetzt wird. In sensiblen Bereichen wie der Medizin, dem Recht oder dem Journalismus birgt das Risiken für Fehlentscheidungen oder den Verlust des öffentlichen Vertrauens.

Strategien zur Verbesserung

Es ist wichtig, diese Herausforderung zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um die Zuverlässigkeit zu steigern. Menschen sollten KI-Systeme durch bessere Programmierung, Retrieval-Augmented Generation (RAG) oder Unsicherheitsindikatoren optimieren. Die Debatte zeigt: KI unterstützt den Menschen, muss aber weiterentwickelt werden, um verlässlichere Ergebnisse zu liefern.

Generative AI: Beispiele für KI-Halluzinationen

  1. Generative KI: Modelle wie ChatGPT können überzeugende, aber falsche Informationen erzeugen. Ein Beispiel wäre, wenn ChatGPT gefragt wird, wer die Mona Lisa gemalt hat und antwortet: „Die Mona Lisa wurde von Vincent van Gogh gemalt“, obwohl dies offensichtlich falsch ist.
  2. Large Language Models (LLMs): Große Sprachmodelle wie GPT-4 und Google Gemini haben manchmal Schwierigkeiten, zwischen realen und halluzinierten Inhalten zu unterscheiden. Ein Beispiel wäre, wenn ein Benutzer nach den gesundheitlichen Vorteilen eines bestimmten Krauts fragt und das Modell eine Reihe von positiven Wirkungen auflistet, die wissenschaftlich nicht belegt sind oder sogar gefährlich sein können
  3. Chatbots: Während Chatbots oft sehr nützlich und effizient sind, können sie gelegentlich auf KI-Halluzinationen stoßen. Ein Beispiel wäre ein Reise-Chatbot, der auf die Frage nach den besten Sehenswürdigkeiten in Berlin antwortet: „Besuchen Sie den berühmten Eiffelturm in Berlin“, obwohl dieser in Paris steht. Solche Fehler sind selten, aber sie zeigen die Herausforderung, vor der die Entwickler stehen, um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieser Systeme weiter zu verbessern.

Warum passieren Halluzinationen bei KI?

Die häufigste Ursache für Halluzinationen der KI ist die Qualität und Quantität der Daten. Sind die Trainingsdaten unvollständig oder widersprüchlich, kann die KI falsche Schlüsse ziehen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Reinforcement Learning, das die Optimierung von Sprachmodellen unterstützt, aber nicht immer perfekte Ergebnisse liefert.

Trainingsdaten

  • Unvollständige Daten: Wenn das Modell mit unvollständigen Daten trainiert wird, fehlen Informationen, die es benötigt, um korrekte Antworten zu generieren. Dadurch kann es Lücken mit Halluzinationen füllen, also Informationen erfinden, um eine vollständige Antwort zu liefern.
  • Fehlerhafte Daten: Fehler in den Trainingsdaten können zu falschen Schlussfolgerungen führen. Das kann auf Tippfehler, falsche Beschriftungen oder inkorrekte Informationen in den Daten zurückzuführen sein.

Reinforcement Learning

  • Optimierungen: Reinforcement Learning (RL) wird verwendet, um Modelle zu verfeinern und die Leistung zu verbessern. RL kann zwar Vorteile bringen, birgt aber auch Risiken: Modelle können Antworten erzeugen, die belohnt werden, auch wenn sie nicht korrekt sind. RL optimiert KI – aber nicht perfekt. Wenn das Belohnungssystem falsch ausgerichtet ist, kann es Fehlinformationen verstärken.

Datenqualität

  • Niedrige Datenqualität: Schlechte Datenqualität wirkt sich direkt auf die Qualität der erzeugten Antworten aus. Daten mit Trends von Rauschen, Verzerrungen oder falschen Informationen führen oft zu irreführenden oder falschen Antworten.

KI-Halluzination verstehen: Herausforderungen und Fortschritte

Was steckt hinter den Halluzinationen?

Die Hauptursache für die Unzulänglichkeiten der KI liegt in den Daten, mit denen sie trainiert wurde. Sind diese Daten unvollständig, widersprüchlich oder fehlerhaft, spiegeln die Antworten der KI genau diese Unzulänglichkeiten wider. Darüber hinaus versucht die KI, eine möglichst menschliche Kommunikation zu erreichen, indem sie Informationen so kombiniert, dass sie plausibel klingen – selbst wenn sie inhaltlich falsch sind. Gerade im Mittelstand, wo KI oft direkt in Prozesse eingebunden wird (z. B. bei Kundensupport oder Dokumentenanalyse), entscheidet die Datenbasis über Erfolg oder Misserfolg. Zwar können Methoden wie Reinforcement Learning die Leistung der KI verbessern, absolute Genauigkeit können sie jedoch nicht garantieren. Insbesondere bei Themen, zu denen die KI nur wenige oder gar keine Daten hat, neigt sie dazu, „kreativ” zu werden, was mitunter zu „Halluzinationen” führt.

Wenn falsche Antworten gut klingen

Die Halluzinationen von KI sind besonders herausfordernd, da die Antworten oft so formuliert sind, dass sie auf den ersten Blick glaubwürdig erscheinen, bei näherer Betrachtung jedoch widersprüchlich sind. Dies ist einer der Aspekte, die bei der Weiterentwicklung von KI berücksichtigt werden müssen. Es gibt jedoch Grund zur Hoffnung: Technologieführer wie NVIDIA arbeiten bereits an der Entwicklung von Lösungen. Ansätze wie Retrieval-Augmented Generation (RAG) und Knowledge Graphs sollen die Zuverlässigkeit von KI-Systemen erhöhen und die Menge an Fehlinformationen reduzieren.

Datenqualität ist der Schlüssel

Die Qualität der Antworten korreliert positiv mit der Qualität der Daten. Dies zeigen Studien wie der “Survey of Hallucination in Natural Language Generation”. Sie zeigen, dass qualitativ hochwertige, themenspezifische Daten der wichtigste Schritt sind, um Halluzinationen zu vermeiden. Wenn KI auf solide Datenquellen zugreifen kann, sind die Ergebnisse nicht nur plausibel, sondern auch korrekt. Technologien wie RAG, bei denen die KI gezielt auf externe Datenbanken zugreifen kann, sind vielversprechend, da sie es ermöglichen, Antworten auf Fakten zu stützen, anstatt sie zu “erfinden”.

Herausforderungen bleiben

Trotz aller Fortschritte wird es noch einige Zeit dauern, bis KI fehlerfrei arbeitet. Ein Grund dafür ist, dass es keine klare Definition dafür gibt, wie perfekt eine KI sein sollte – und was wir von ihr erwarten. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Optimierung großer Sprachmodelle ein komplexes Unterfangen ist. Das Hauptproblem bleibt die Verbreitung von Fehlinformationen. Solange KI-Modelle nicht nur Fakten abbilden, sondern auch kreativ kombinieren, besteht die Gefahr, dass sie zwar manchmal überzeugend formulieren – aber sachlich falsch liegen.

Lösungen und aktuelle Entwicklungen

Laut NVIDIA-Chef Jensen Huang lassen sich sogenannte KI-Halluzinationen durchaus beheben. Eine Möglichkeit besteht darin, zusätzliche Daten, wie themenspezifische Datenbanken oder Wissensgraphen, zu nutzen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Ein weiteres Verfahren ist Retrieval-Augmented Generation (RAG), das die Nutzung externer Datenquellen optimiert.

  1. Retrieval-Augmented Generation (RAG):
    • Kombination von Retrieval und generativer Modellierung: RAG kombiniert die Stärken von Informationsabrufsystemen (Retrieval) mit generativer Modellierung. Dies bedeutet, dass das Modell relevante Informationen aus externen Datenquellen abruft und diese nutzt, um präzisere und kontextuellere Antworten zu generieren. Durch diese Methode kann die Genauigkeit erheblich verbessert werden, da das Modell auf aktuelle und relevante Daten zurückgreift.
  2. Knowledge-Graphen:
    • Verwendung von strukturierten Wissensdatenbanken: Knowledge-Graphen sind strukturierte Datenbanken, die Beziehungen zwischen verschiedenen Datenpunkten darstellen. Sie bieten ein strukturiertes und umfassendes Wissen, das Modelle nutzen können, um Halluzinationen zu vermeiden. Durch die Integration von Knowledge-Graphen können Modelle auf verlässliche und geprüfte Informationen zurückgreifen, was die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der generierten Antworten erhöht.
  3. Optimierung von LLMs:
    • Verbesserung der Modelle durch gezielte Trainingsdaten und Algorithmen: Die Optimierung von Large Language Models (LLMs) umfasst die Verwendung hochwertiger und themenspezifischer Trainingsdaten sowie fortschrittlicher Algorithmen. Durch gezielte Anpassungen und kontinuierliches Training können Modelle verbessert werden, um präzisere und konsistentere Antworten zu liefern. Dies schließt auch die regelmäßige Aktualisierung der Trainingsdaten ein, um sicherzustellen, dass die Modelle mit den neuesten Informationen und Trends arbeiten.

Diese Ansätze zeigen, dass durch die Integration externer Datenquellen, strukturierten Wissens und gezielten Optimierungen die Problematik der KI-Halluzinationen wirksam angegangen werden kann.

KI braucht bessere Daten und kluge Ansätze

KI-Halluzinationen sind unvorhergesehene Ereignisse, die durch den Einsatz von KI-Technologie verursacht werden und häufig für Erstaunen sorgen. Sie zeigen, dass KI-Systeme zwar bemerkenswerte Leistungen erbringen können, aber nicht vollkommen zuverlässig sind. Diese „Tagträume” der Maschine machen deutlich, dass erst die Kombination aus qualitativ hochwertigen Daten, präzisen Algorithmen und kritischer Nutzerreflexion das Potenzial von KI voll ausschöpfen kann.

Die gute Nachricht ist, dass das Potenzial, solche Fehler zu reduzieren, enorm ist. Fortschrittliche Ansätze wie RAG (Retrieval-Augmented Generation) und Knowledge-Graphen tragen bereits dazu bei, die Zuverlässigkeit von KI kontinuierlich zu erhöhen. Bis KI jedoch fehlerfrei arbeitet, bleibt es unsere Verantwortung, die erhaltenen Antworten stets sorgfältig zu hinterfragen und die Technologie nicht unreflektiert einzusetzen.

Nutzen Sie KI als Werkzeug – nicht als Wahrheit. Wer die Grenzen kennt, trifft bessere Entscheidungen. Wenn wir die gelegentlichen „Halluzinationen” mit einem Augenzwinkern betrachten und uns der Grenzen der Technologie bewusst sind, sind wir auf dem besten Weg, eine Zukunft zu gestalten, in der KI nicht nur begeistert, sondern auch durch ihre Verlässlichkeit überzeugt.

Merken Sie sich diese kurzen Tipps:

  • KI kann überzeugend, aber falsch liegen.
  • Trainingsdaten entscheiden über Qualität.
  • RAG & Knowledge Graphs helfen gegen Halluzinationen.
  • Unternehmen brauchen eigene Datenstrategien.
  • Kritisches Denken und Hinterfragen bleibt essenziell.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu KI-Fehlern

Während ein Programmierfehler meist zum Absturz oder zu einer logischen Fehlfunktion des Codes führt, ist eine Halluzination ein Resultat der statistischen Natur von LLMs. Die KI arbeitet technisch korrekt, wählt aber eine Wortfolge, die zwar hochwahrscheinlich klingt, faktisch jedoch nicht existiert. Es handelt sich also um ein immanentes Problem der Sprachmodell-Architektur und nicht um einen klassischen „Bug” im Quelltext.

Unternehmen sollten klare Disclaimer verwenden und eine „Human-in-the-Loop“-Strategie etablieren. Dabei werden kritische, von KI generierte Ausgaben von Experten geprüft. Technisch lässt sich das Risiko durch den Einsatz von Unsicherheitsindikatoren senken, die anzeigen, wie sicher sich das Modell bei einer Antwort ist. Zudem hilft eine strikte Trennung zwischen kreativen Aufgaben und faktengestützten Analysen mittels dedizierter KI-gestützter Funktionen.

Durch präzises Prompting und spezifische Anweisungen kann man der KI beispielsweise verbieten, Informationen zu erfinden (z. B. durch den Befehl: „Wenn du die Antwort nicht weißt, sage es“). Mithilfe von „Custom Instructions“ kann dem KI-Assistenten zudem dauerhaft ein skeptisches oder rein faktenbasiertes Rollenprofil zugewiesen werden. Dies verbessert die Ergebnisqualität deutlich, ersetzt aber niemals eine finale Prüfung der Quellen.

Da Plattformen wie TikTok als Suchmaschinen immer relevanter werden, verbreiten sich dort durch die schnelle, visuelle Aufbereitung halluzinierte KI-Inhalte besonders rasant. Nutzer neigen dazu, kurzen, prägnanten Video-Antworten blind zu vertrauen. Das macht Quellenangaben in KI-Übersichten umso notwendiger. Ersteller müssen KI-generierte Skripte daher doppelt prüfen, um ihre Reputation in der schnelllebigen Social-Media-Welt nicht zu gefährden.

Der Beitrag wurde am 15. Januar 2026 überarbeitet.

Smiling man with glasses on the left against a blue-green gradient, with German webinar text on the right.

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