Bedeutet die Einführung von Passkeys das Aus für traditionelle Passwörter?

IT-P GmbH
18.07.2025
5 Minuten

Passwörter sind das Einfallstor Nummer eins für Cyberangriffe. Trotzdem vertrauen viele Unternehmen noch immer auf diese unsichere Authentifizierungsmethode. In diesem Beitrag zeigen wir, warum Passwörter ausgedient haben und welche modernen Alternativen wie Passkeys, biometrische Authentifizierung und Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) bereits heute einsatzbereit sind. Darüber hinaus erklären wir, wie Unternehmen den Wechsel zur passwortlosen Zukunft erfolgreich meistern können.

Warum herkömmliche Passwörter ein Risiko darstellen

Passwörter gelten seit Jahrzehnten als Standardmittel zur Zugangskontrolle – und genau darin liegt das Problem. Die Nutzung einfacher Passwörter wie „123456“, „Password“ oder „QWERTZ“ ist nach wie vor weit verbreitet, sogar in sicherheitskritischen Bereichen. Solche schwachen oder wiederverwendeten Passwörter sind besonders gefährlich. Sie lassen sich leicht erraten, stehlen oder durch Phishing-Angriffe kompromittieren. Die Abhängigkeit von Passwörtern birgt daher ein erhebliches Risiko für die IT-Sicherheit. Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) resultieren über 80 % der erfolgreichen Cyberangriffe aus kompromittierten Zugangsdaten. Hinzu kommen organisatorische Herausforderungen: Der Umgang mit Passwörtern kostet Unternehmen Zeit und Geld.

Bei der Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) müssen Nutzer mindestens zwei verschiedene Nachweise ihrer Identität erbringen. Typische Faktoren sind etwas, das man weiß (z. B. Passwort), etwas, das man besitzt (z. B. Smartphone), und etwas, das man ist (z. B. Fingerabdruck). Erst wenn alle Faktoren erfolgreich geprüft wurden, erhält der Nutzer Zugang zum System. MFA erschwert es Angreifern somit erheblich, auf Konten zuzugreifen, selbst wenn ein Passwort gestohlen wurde. Dadurch erhöht sich die Sicherheit für persönliche und geschäftliche Daten erheblich.

Der Support für vergessene PINs, lange Passwörter mit Sonderzeichen oder falsch gespeicherte Zugangsdaten ist eine tägliche Belastung. Zwar helfen Passwortmanager beim Verwalten komplexer Passwörter, das grundlegende Problem der inhärenten Unsicherheit von Passwörtern lösen sie jedoch nicht. Besonders kritisch wird es, wenn mehrere Geräte und Online-Dienste mit demselben Passwort geschützt sind – ein einzelnes Datenleck genügt, um Zugang zu sensiblen Informationen zu ermöglichen. Unternehmen sollten sich daher von veralteten Technologien wie herkömmlichen Passwörtern verabschieden und sich nach sicheren, benutzerfreundlichen Alternativen umsehen. Wie haben das bisher bekannte Firmen geregelt?

UnternehmenAktueller StandBesonderheiten
GoogleSeit Oktober 2023 sind Passkeys die Standard-Anmeldemethode für Google-Konten. Nutzer können sich mit biometrischen Daten oder PIN anmelden.Passkeys werden geräteübergreifend synchronisiert; unterstützt auf Android, iOS und Chrome.
AppleUnterstützt Passkeys seit iOS 16 und macOS Ventura. Nutzer können sich mit Face ID, Touch ID oder Geräte-PIN anmelden.Nahtlose Integration in das Apple-Ökosystem; Passkeys werden über die iCloud synchronisiert.
MicrosoftNeue Microsoft-Konten sind standardmäßig passwortlos. Bestehende Nutzer können Passkeys aktivieren und Passwörter entfernen.Integration mit Windows Hello; Passkeys können über Microsoft Authenticator verwaltet werden.
AmazonSeit Ende 2023 können Nutzer Passkeys für die Anmeldung verwenden. Einrichtung über die Kontoeinstellungen möglich.Passkeys funktionieren auf den meisten Plattformen und Browsern; bieten erhöhte Sicherheit gegen Phishing.
Meta (Facebook)Rollout von Passkeys für Facebook-Apps auf iOS und Android seit Juni 2025. Messenger folgt in Kürze.Anmeldung mit biometrischen Daten oder PIN; Passkeys gelten automatisch für verbundene Dienste.
XUnterstützt Passkeys weltweit als Login-Option, derzeit für iPhones verfügbar.Anmeldung mit Face ID oder Touch ID; Passwort bleibt als Fallback erhalten.
DropboxBietet derzeit keinen nativen Support für Passkeys; Nutzer können jedoch Passwortmanager verwenden, um Passkeys zu speichern.Dropbox Passwords kann starke Passwörter vorschlagen und speichern; Integration von Passkeys ist in Diskussion.
PayPalUnterstützt Passkeys für die Anmeldung; Nutzer können sich mit biometrischen Daten oder PIN anmelden.Erhöhte Sicherheit gegen Phishing und Passwort-basierte Angriffe; einfache Einrichtung über Kontoeinstellungen.

Passkeys, Biometrie und MFA: Die wichtigsten Alternativen für mehr Sicherheit

Die gute Nachricht ist: Die Zukunft der Authentifizierung ist bereits Realität – und kommt ganz ohne Passwörter aus. Technologiekonzerne wie Microsoft, Google und Apple treiben die Einführung von Passkeys massiv voran. Passkeys basieren auf kryptografischen Schlüsselpaaren, die aus einem privaten und einem öffentlichen Schlüssel bestehen. Der private Schlüssel bleibt stets sicher auf dem Gerät des Nutzers gespeichert und ist selbst bei Datenlecks oder kompromittierten Cloud-Konten geschützt. Die Anmeldung erfolgt durch biometrische Merkmale wie Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung oder alternativ per PIN-Code, je nach System. Android, iOS, Windows und macOS bieten inzwischen umfassende Unterstützung für Passkeys. Diese biometrische Authentifizierung ist nicht nur sicherer, sondern auch deutlich benutzerfreundlicher, da sich Nutzer nichts mehr merken müssen.

Vorteile passwortloser Verfahren im Überblick

Passwortlose Authentifizierungsverfahren wie Passkeys bieten Unternehmen zahlreiche Vorteile. An erster Stelle steht die erhöhte Sicherheit: Da keine wiederverwendeten oder einfachen Passwörter mehr erforderlich sind, sinkt das Risiko von Phishing- oder Brute-Force-Angriffen erheblich. Gleichzeitig verbessert sich die Benutzerfreundlichkeit, da sich Mitarbeitende keine komplexen Zeichenfolgen mehr merken müssen – ein Fingerabdruck oder ein kurzer Blick in die Kamera genügt für den sicheren Login.

Auch in puncto Effizienz überzeugt die neue Technologie: Der Aufwand für den IT-Support bei Passwortproblemen sinkt deutlich, wodurch langfristig Kosten gespart werden. Hinzu kommt die Skalierbarkeit der Lösungen. Sie funktionieren zuverlässig auf verschiedenen Geräten und Betriebssystemen, sei es am Arbeitsplatz, mobil oder remote. Nicht zuletzt überzeugt auch der Datenschutz: Die privaten Schlüssel bleiben lokal auf den Endgeräten gespeichert und werden nicht zentral verwaltet, wodurch potenzielle Angriffspunkte verringert werden.

Auch der weltweit akzeptierte Standard FIDO2 ermöglicht die passwortlose Authentifizierung über Authenticator-Geräte wie YubiKeys oder integrierte Sensoren in Smartphones. Besonders relevant: Moderne Systeme können auch mit mehreren Geräten verwendet werden. So können sich Nutzer beispielsweise auf dem PC mit einem Authenticator auf dem Smartphone einloggen. Die Kombination von FIDO2 mit MFA sorgt für zusätzliche Sicherheit. Diese Technologien sind technisch ausgereift und bieten eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Passwörtern.

Machen Passwortmanager Sinn?

In der heutigen digitalen Welt sind Passwortmanager definitiv sinnvoll, da sie viele Sicherheits- und Komfortvorteile bieten. Sie speichern Passwörter verschlüsselt und helfen dabei, für jedes Konto ein starkes, einzigartiges Passwort zu generieren. Dadurch wird das Risiko von Hackerangriffen deutlich reduziert. Außerdem erleichtern sie die Verwaltung zahlreicher Zugangsdaten, da man sich nur noch ein Master-Passwort merken muss und die Anmeldung oft automatisch erfolgt.

Allerdings bergen Passwortmanager auch Risiken: Wird das Master-Passwort vergessen oder kompromittiert, sind alle gespeicherten Daten betroffen. Zudem besteht bei einem erfolgreichen Angriff auf den Passwortmanager die Gefahr, dass alle Zugangsdaten auf einmal gestohlen werden. Bei der Auswahl sollte deshalb auch auf Datenschutz und Kompatibilität mit verschiedenen Geräten oder Anwendungen geachtet werden. So sind Passwortmanager eine sinnvolle Lösung, um die Passwortsicherheit zu erhöhen und den Alltag zu erleichtern – vorausgesetzt, sie werden sorgfältig ausgewählt, sicher konfiguriert und mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen wie der Zwei-Faktor-Authentifizierung kombiniert.

So gelingt die Einführung passwortloser Authentifizierung in Unternehmen

Gerade für mittelständische Unternehmen kann der Umstieg ein Wettbewerbsvorteil sein – mit weniger Aufwand, als viele denken. Zunächst ist eine fundierte Analyse der bestehenden Authentifizierungsstruktur erforderlich: Welche Systeme verwenden noch herkömmliche Passwörter? Gibt es bereits Ansätze zur Multi-Faktor-Authentifizierung oder zur Integration von Passkeys? Besonders sicherheitsrelevante Bereiche sollten priorisiert werden. Dabei gilt es, technische, organisatorische und menschliche Faktoren zu berücksichtigen.

Wichtige Schritte für die Einführung passwortloser Authentifizierung:

  • Sensibilisierung der Belegschaft für die Risiken traditioneller Passwörter
  • Testbetrieb mit Pilotgruppen zur Einführung von Passkeys und Authenticator-Geräten
  • Auswahl passender Plattformen mit Unterstützung für Passkeys (z. B. Azure AD, Google Workspace)
  • Rollout sicherer Methoden wie biometrische Authentifizierung, PIN oder FIDO2-Token
  • Notfallkonzepte für verlorene Geräte und Backup-Zugänge
  • Regelmäßige Schulungen zum sicheren Umgang mit Zugangsdaten und Authentifizierungsmethoden

Die Einführung solcher Systeme sollte nicht als reines Technikprojekt verstanden werden, sondern als kultureller Wandel hin zu mehr digitaler Sicherheit. Entscheidend ist die richtige Mischung aus Technik, Prozessen und Kommunikation. Die Verbesserung der Sicherheit darf nicht zu Lasten der Benutzerfreundlichkeit gehen. Denn nur wenn neue Verfahren intuitiv und zuverlässig funktionieren, werden sie von einer breiten Masse akzeptiert – und können ihr volles Potenzial im Kampf gegen Cyberkriminelle und unsichere Passwörter entfalten.

Sichere Passwörter, aber wie?

1. Unternehmen

Für Unternehmen steht mehr auf dem Spiel als nur Technik: Es geht um strategische Weichenstellungen in Bezug auf IT-Sicherheit, Compliance, Benutzerzufriedenheit und Betriebskosten. Für die erfolgreiche Einführung passwortloser Verfahren wie Passkeys, MFA oder biometrischer Authentifizierung ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig – technisch, organisatorisch und kulturell. Neben der technischen Kompatibilität mit vorhandenen Systemen (z. B. ERP, Cloud-Plattformen) sind auch Governance-Fragen, Auditierbarkeit und die Anbindung an bestehende Identitäts- und Berechtigungsmanagementsysteme von Bedeutung.

Besonders wichtig ist die Frage, welche Verfahren sich mit möglichst geringem Schulungsaufwand implementieren lassen und trotzdem als besonders sicher anerkannt werden. Die Unterstützung durch Microsoft und Google bei der Integration passwortloser Methoden in iOS, Android und Windows ist ein starkes Argument. Entscheidend ist, dass die neue Authentifizierungsmethode skalierbar ist, damit sie in hybriden IT-Landschaften mit verschiedenen Geräten und Nutzerprofilen gleichermaßen funktioniert. IT-Entscheiderinnen und IT-Entscheider sind heute gefragt, nicht nur punktuelle Lösungen einzuführen, sondern langfristige Sicherheitsarchitekturen zu gestalten, die Risiken minimieren und gleichzeitig die Benutzerfreundlichkeit erhöhen.

2. Privatpersonen

Auch im privaten Bereich zählen Passwörter zu den größten Schwachstellen. Viele Nutzer verwenden dasselbe Passwort für mehrere Online-Dienste, was eine riskante Praxis ist. Ein einziges Datenleck kann in diesem Fall verheerende Folgen haben. Die Empfehlung lautet daher, wo immer möglich auf Passkeys oder die biometrische Anmeldung via Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung umzustellen. Moderne Betriebssysteme wie iOS und Android bieten die dafür nötige Unterstützung bereits ab Werk.

Wer weiterhin Passwörter nutzt, sollte zumindest auf lange, komplexe Passwörter mit Zahlen, Sonderzeichen und Groß- und Kleinschreibung achten und diese regelmäßig ändern. Ein vertrauenswürdiger Passwortmanager kann dabei helfen, den Überblick zu behalten. Die MFA-Optionen großer Anbieter wie Apple, Google oder Microsoft sind für Privatpersonen einfach aktivierbar und bieten erheblichen Schutz vor unautorisierten Zugriffen. Wichtig ist: Die eigene digitale Sicherheit beginnt mit dem Bewusstsein für Risiken. Wer sich jetzt mit alternativen Authentifizierungsmethoden beschäftigt, schützt sich effektiv vor Phishing, gehackten Konten und Identitätsdiebstahl – und das mit minimalem Aufwand und maximalem Sicherheitsgewinn.

Verbesserung der Sicherheit durch passwortlose Authentifizierung

Der Abschied von klassischen Passwörtern bedeutet mehr als nur einen technischen Fortschritt: Er macht unseren digitalen Alltag spürbar sicherer und komfortabler. Moderne Authentifizierungsverfahren wie Passkeys, biometrische Merkmale und die FIDO2-Standards machen unsichere und schwer zu merkende Zugangsdaten endlich überflüssig. Wer jetzt auf diese neue Generation der IT-Sicherheit setzt, schützt nicht nur sensible Informationen, sondern spart auch Zeit, reduziert Stress und schafft Freiräume – egal, ob im Unternehmen oder privat. Tech-Giganten wie Microsoft & Co. schaffen die Voraussetzungen, doch jedes Unternehmen muss selbst handeln. Wer heute umsteigt, profitiert sofort von mehr Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Die passwortlose Authentifizierung ist längst Realität und macht das digitale Leben einfacher, sicherer und zukunftsfähiger.

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