Deutschland im EU-Vergleich verbessert sich auf Platz 14 bei der Digitalisierung

IT-P GmbH
23.09.2025
4 Minuten

Im Bitkom-DESI-Index 2025 hat Deutschland eine leichte Verbesserung im EU-Digitalvergleich erreicht und belegt nun den 14. von 27 Plätzen. Dies stellt eine Verbesserung um zwei Positionen gegenüber dem Vorjahr dar. Trotz dieser Aufwärtsbewegung bleibt Deutschland im Mittelfeld stecken – mit deutlichen Schwächen vor allem bei digitalen Verwaltungsdiensten sowie bei den digitalen Kompetenzen der Bevölkerung.

Gesamtposition des Bitkom-DESI-Index

Der Bitkom-DESI-Index misst den Digitalisierungsgrad der EU-Länder anhand der vier Kernbereiche digitale Infrastruktur, digitale Kompetenzen, Digitalisierung der Wirtschaft und digitale öffentliche Dienste. Die Methodik stützt sich auf frühere EU-Daten und Indikatoren, die seit 2023 in neuer Form verfügbar sind. Der Index bietet eine ganzheitliche Betrachtung dessen, wie weit die Länder im digitalen Wandel fortgeschritten sind.

Deutschland konnte sich im Ranking von Platz 16 im Vorjahr auf Platz 14 verbessern – ein leichter Fortschritt, der jedoch noch nicht ausreicht, um zu den führenden EU-Ländern aufzuschließen. Besonders wichtig ist dabei, dass Deutschland in einigen Bereichen durchaus gute Ergebnisse erzielt, in anderen jedoch noch erheblichen Nachholbedarf hat.

Deutschland im EU-Vergleich

Digitale Wirtschaft (Platz 8): Deutschland zeigt eine vergleichsweise starke Leistung in der Digitalisierung seiner Wirtschaft, insbesondere durch Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, Cloud-Diensten und Datenanalyse. Dieses Segment bildet die wirtschaftliche Grundlage für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit und Deutschland zeigt hier deutliche Stärken. Unternehmen investieren verstärkt in digitale Technologien, was sich auf den Rang auswirkt.

Netzqualität (Platz 9): Die Qualität und Infrastruktur der digitalen Netze liegen im oberen Drittel der EU. Der Ausbau von breitbandigen Netzen, 5G-Abdeckung sowie Glasfasernetze schreitet voran. Dennoch könnte die Nutzung dieser Infrastruktur besser genutzt werden, was eine kleine Bremse im Gesamtranking darstellt.

Digitale Kompetenzen (Platz 15): In diesem Bereich zeigt sich der deutschen Bevölkerung ein massiver Nachholbedarf. Nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Menschen verfügt über solide digitale Grund- und Fachkompetenzen. Digitale Bildung in Schulen, Weiterbildung und lebenslanges Lernen müssen ausgebaut werden, um den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden.

Digitale Verwaltung (Platz 21): Der schwächste Bereich Deutschlands ist die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Deutschland liegt hier im EU-Schnitt hinter zahlreichen anderen Ländern zurück und gehört zu den Schlusslichtern. Wichtige Parameter sind die Verfügbarkeit und Nutzung von Online-Behördendiensten sowie der Einsatz moderner Verfahren wie vorausgefüllter Formulare. Die wenigen digitalen Angebote werden zudem von vielen Kommunen nicht ausreichend genutzt.

Föderalismus und Verwaltungskomplexität als Herausforderung

Ein wesentlicher Grund für die langsame Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist die föderale Struktur Deutschlands. Etwa 90 Prozent der Verwaltungsleistungen werden auf Länderebene oder sogar bei kommunalen Behörden erbracht. Trotz einzelner digitaler Initiativen gibt es große Unterschiede bei der Umsetzung und viele Gemeinden verfügen nicht über die nötigen Ressourcen oder die politische Priorität, um die Digitalisierung umfassend umzusetzen.

Der Bund kann zwar durch Programme und Fördermittel unterstützen, ohne aktives Engagement der Länder, Landkreise und Kommunen bleibt der Fortschritt jedoch begrenzt. Häufig verhindern auch die mangelnde Koordination und der bürokratische Aufwand eine zügige Digitalisierung.

Forderungen für die Zukunft im Bereich Digitalisierung

Der Bitkom fordert eine massive Beschleunigung des digitalen Wandels in Deutschland. Kernforderungen sind ein umfassender Bürokratieabbau und das Einfrieren unnötiger Regulierungen, um Innovationen zu erleichtern und Investitionen nicht zu verzögern. Weiterhin wird benötigt:

  • Ein klarer digitalpolitischer Fahrplan mit Prioritäten und messbaren Zielen.
  • Stärkung der digitalen Kompetenzen in Bildung, Beruf und Gesellschaft.
  • Mehr Unterstützung und koordinierte Angebote für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.
  • Maßnahmen zur Senkung hoher Energiekosten, die gerade für Rechenzentren und Netzbetreiber ein Wettbewerbsnachteil sind.
  • Fördern von Investitionen und nachhaltigen digitalen Transformationsprojekten auf allen Ebenen.

Die Einführung eines Digitalministeriums wird als wichtiger Schritt anerkannt, allerdings müsse noch viel stärker an konkreten Umsetzungen gearbeitet werden, um Deutschland innerhalb der nächsten Jahre ins Spitzenfeld der EU zu bringen.

Deutschland digital leicht unter Schnitt 

Im Vergleich zu 2024, als Deutschland noch auf Rang 16 lag, hat die Bundesrepublik zwei Plätze gutgemacht. Dennoch liegt Deutschland insgesamt noch leicht unter dem EU-Schnitt, was die Digitalisierung betrifft. Die EU-Kommission sammelt seit 2014 auf Basis der etablierten EU-Methodik umfassend Daten zur Digitalisierung der Mitgliedsländer. Seit 2023 werden keine Gesamtrankings mehr veröffentlicht, sondern nur noch Rankings zu 31 Einzelindikatoren, beispielsweise zu digitalen Basiskompetenzen oder administrativen digitalen Angeboten. Das Indikatorenset der EU wurde vom Bitkom geprüft und in einen eigenen DESI-Index integriert, der die Positionierung der Länder verdeutlicht. Deutschland liegt aktuell im vorderen Drittel, hat aber noch Luft nach oben.

Im Detail belegt Deutschland im Segment der digitalen Wirtschaft Platz 8, bei der Netzqualität Rang 9 und bei den digitalen Kompetenzen Rang 15. Besonders schwach zeigt sich Deutschland bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen: Mit Platz 21 bildet es ein Schlusslicht innerhalb der EU. In den Jahren 2021 bis 2023 lag Deutschland meist auf den Plätzen 12 und 13; im Vorjahr verschlechterte es sich kurzzeitig auf Rang 16.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst fordert eine massive Beschleunigung der digitalen Transformation, insbesondere durch Entbürokratisierung und einen umfassenden Regulierungsstopp. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung muss massiv vorangetrieben werden, da etwa 90 Prozent der Verwaltungsleistungen bei Ländern und Kommunen liegen. Hierfür ist nicht nur staatliche Unterstützung notwendig, sondern auch eine stärkere Bereitschaft vor Ort, digitale Angebote effektiv anzunehmen.

Mit der Einführung eines Digitalministeriums sei laut Wintergerst ein wichtiger erster Schritt getan worden. Um in den kommenden Jahren jedoch Plätze nach vorne zu rücken und eine Positionierung im vorderen Drittel dauerhaft zu erreichen, seien weitere Maßnahmen notwendig. Ein klarer digitalpolitischer Fahrplan für die Bundesregierung ist unerlässlich, um die Chancen der Digitalisierung umfassend zu nutzen und Deutschland an die Spitze des EU-Vergleichs zu bringen.

Während die Digitalisierung in der Wirtschaft und beim Netzausbau Fortschritte zeigt, stellen die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung sowie die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen weiterhin zentrale Herausforderungen dar. Benötigt wird eine koordinierte politische Strategie, die föderale Strukturen einbindet und bürokratische Hürden abbaut, damit Deutschland sein wirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial in der digitalen Welt voll entfalten kann.

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