Digital-Kompass 2025: Wie digital und zukunftsfähig ist Deutschland?

IT-P GmbH
14.02.2025
4 Minuten

Die Digitalisierung in Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren beachtliche Fortschritte gemacht. Unternehmen investieren verstärkt in Informationstechnologie, der technologische Wandel ist spürbar und digitale Angebote sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch der neue Digital-Kompass 2025 von Cisco zeigt auch, dass nicht alle Sektoren gleichermaßen vom digitalen Wandel profitieren.

Während die Wirtschaft mit großen Schritten voranschreitet, kämpfen Verwaltung und Gesellschaft mit einer langsameren Transformation. Besonders Künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit stellen große Herausforderungen dar, die es zu bewältigen gilt, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands langfristig zu sichern.

Unternehmen setzen auf IT, doch KI bleibt eine Baustelle

Die deutsche Wirtschaft hat bei der Digitalisierung in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Unternehmen erkennen zunehmend den Mehrwert digitaler Technologien und investieren verstärkt in ihre IT-Infrastruktur. So steigen die IT-Ausgaben zwischen 2019 und 2024 von 9,3 auf 14 Milliarden US-Dollar. Diese Entwicklung zeigt, dass die Digitalisierung als wesentlicher Erfolgsfaktor verstanden wird. Insbesondere das Arbeiten von zu Hause aus hat sich verändert: Der Anteil der Beschäftigten, die regelmäßig von zuhause aus arbeiten, ist von 13 Prozent im Jahr 2019 auf 23 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Allerdings ist derzeit in vielen Unternehmen eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten.

Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft, doch deutsche Unternehmen tun sich mit ihrer Integration schwer. Obwohl 98 % der Unternehmen die Bedeutung von KI anerkennen, fühlen sich lediglich 6 % ausreichend vorbereitet, diese gewinnbringend einzusetzen. Dies liegt nicht nur an fehlendem technischem Know-how, sondern auch an einer fehlenden langfristigen Strategie für die sinnvolle Integration von KI in Geschäftsprozesse.

Ein weiteres wachsendes Problem ist die Cyberkriminalität, die Unternehmen und Bürger gleichermaßen bedroht. Die wirtschaftlichen Schäden durch Cyberangriffe haben sich in den letzten fünf Jahren beinahe verdreifacht – von 103 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 267 Milliarden Euro im Jahr 2024. Diese alarmierende Entwicklung zeigt, dass IT-Sicherheit in Zeiten zunehmender Digitalisierung nicht länger als optional betrachtet werden kann. Unternehmen sind daher aufgefordert, sich dringend mit modernen Sicherheitslösungen auseinanderzusetzen, um sich gegen immer raffiniertere Angriffe zu schützen.

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Verwaltung: Digitalisierung stockt nach der Pandemie

Die Corona-Pandemie hatte einen positiven Einfluss auf die Digitalisierung in vielen Bereichen, auch in der öffentlichen Verwaltung. So stieg der Anteil digitaler Verwaltungsangebote von 48 % im Jahr 2019 auf 54 % im Jahr 2021. Allerdings kam es in der Folgezeit zu einem Stillstand des Fortschritts. So wurde der Anteil digitaler Verwaltungsangebote seit 2021 nicht mehr erhöht, was auf eine unzureichende konsequente Verfolgung ambitionierter Digitalisierungsinitiativen schließen lässt.

Dennoch besteht weiterhin Bedarf an digitalen Behördengängen, da Bürgerinnen und Bürger effiziente und benutzerfreundliche digitale Dienstleistungen erwarten, aber oft nicht auf den Gang zum Amt verzichten können. Die Modernisierung der Verwaltung ist entscheidend für eine zukunftsfähige Gesellschaft, doch bisher fehlt es an konsequenter Umsetzung und einer flächendeckenden Strategie. Ein Bereich, in dem sich jedoch positive Veränderungen abzeichnen, ist das Bildungswesen: Während 2020 nur 37 % der Schulen über digitale Endgeräte wie Laptops oder Tablets verfügten, sind es heute bereits 90 %. Dies verdeutlicht, dass gezielt in die digitale Infrastruktur investiert werden kann und sich dies auch auszahlt.

Gleichzeitig gibt es aber auch Rückschläge: Die Telemedizin, die während der Pandemie einen enormen Aufschwung erlebte, verliert wieder an Bedeutung. So wurden im Jahr 2021 noch 956.000 Videosprechstunden durchgeführt, während es im Jahr 2023 nur noch 576.000 waren. Dies verdeutlicht, dass neue digitale Möglichkeiten ohne eine langfristige Strategie oft nicht nachhaltig in den Alltag integriert werden können.

Digitalisierung im Alltag: Nutzung steigt langsam

Die Digitalisierung spielt auch im Alltag der Menschen eine zunehmend bedeutendere Rolle, wenn auch in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Das lange Zeit skeptisch betrachtete Online-Banking hat sich mittlerweile als Standard etabliert: Während 2019 noch 52 % der Deutschen ihre Bankgeschäfte online erledigten, sind es heute bereits 84 %. Diese Entwicklung zeigt, dass digitale Lösungen dann erfolgreich angenommen werden, wenn sie Sicherheit, Komfort und einen klaren Mehrwert bieten.

Auch in anderen Bereichen sind Veränderungen spürbar:

  • Fitness-Tracker erfreuen sich wachsender Beliebtheit – die Zahl der Nutzer ist von 3 Millionen auf 4,2 Millionen gestiegen.
  • Mobilitäts-Apps sind besonders bei jungen Menschen verbreitet: Während 51 % der Gesamtbevölkerung sie nutzen, sind es in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sogar 72 %.
  • Online-Lebensmittelkäufe sind weiterhin auf dem Vormarsch – der Anteil der Käufer ist von 8 % im Jahr 2019 auf 15 % im Jahr 2024 gestiegen.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass digitale Angebote dann erfolgreich sind, wenn sie das tägliche Leben spürbar erleichtern. Gleichzeitig gibt es aber noch viele Potenziale, um digitale Lösungen breiter zugänglich zu machen und für alle Generationen attraktiv zu gestalten.

Deutschland und die ungenutzten Potenziale der Digitalisierung

Der Digital-Kompass 2025 zeichnet ein zwiespältiges Bild: In den vergangenen Jahren hat Deutschland beachtliche Fortschritte erzielt. Unternehmen investieren verstärkt, die technologische Infrastruktur wächst, und digitale Angebote werden von immer mehr Menschen genutzt. Dennoch gibt es erhebliche Defizite – insbesondere in Schlüsselbereichen wie Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit. Auch der öffentliche Sektor, der zunächst vielversprechend gestartet ist, droht bei der Digitalisierung ins Hintertreffen zu geraten.

Uwe Peter, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, bringt es auf den Punkt: “Deutschland hat in den letzten fünf Jahren viel erreicht – die Digitalisierung ist weiter, als ihr Ruf vermuten lässt. Doch es geht mehr. Was oft fehlt, ist der entschlossene Wille, digitale Technologien konsequent zu nutzen und weiterzuentwickeln.”

Deutschland steht an einem Wendepunkt. Die Digitalisierung bietet enorme Chancen – sie kann Arbeitsprozesse vereinfachen, Innovationen vorantreiben und das Leben spürbar verbessern. Doch der Fortschritt kommt nicht von allein. Ohne eine klare Richtung und den Mut, digitale Lösungen konsequent umzusetzen, laufen wir Gefahr, in alten Strukturen zu verharren. Jetzt gilt es, entschlossen voranzugehen – damit aus guten Ansätzen echte Erfolge werden und Unternehmen die Chancen der digitalen Zukunft nicht nur erkennen, sondern auch nutzen.

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